Sicher oder unsicher?

Skizze: Anhänger

Fahrradanhänger


[Fahrradanhänger - sicher oder unsicher?] [Fahrradanhänger - alles was Recht ist] [Mit dem Fahrradanhänger im Ausland]
[Kindertransport im Fahrrad-Anhänger] [Erfahrungen mit dem Ritschie2] [Der Hund im Fahrrad-Anhänger]
[Hersteller von Fahrradanhängern] [Weitere Infos]  

Zunächst einige Fakten, die weiter unten noch ausgeführt werden:

Englisch von Martin Trautmann

Immer wieder hört man, dass der Transport von Kindern im Fahrradanhänger unsicher sei. Ich frage mich, worauf diese Behauptung beruht. Fest steht, dass der Transport im Kindersitz wesentlich unsicherer als im Anhänger ist. Das Fahrrad wird sehr unstabil – sowohl im Stand als auch während der Fahrt. Sie können das Rad nicht abstellen und sich dabei außer Reichweite begeben. Stellen Sie sich vor, das Kind bewegt sich, das Rad kippt um. Die Fallhöhe ist sehr hoch. Das Fahrverhalten ist stark und nachteilig beeinflusst, da der beladene Kindersitz den Schwerpunkt nach oben verschiebt.
Und ein Anhänger? Ein Anhänger ist auffällig, beeinflusst das Fahrverhalten und die Stabilität des Rades kaum. Sie können es unbesorgt abstellen. Wenn es zur Kollision mit einem Auto kommen sollte, wird der Hänger in den meisten Fällen vom Auto weggeschoben, nicht aber überrollt.
Das Allianz Zentrum für Technik hat bereits 1996 Crash-Versuche gemacht, die das bestätigen.

Der Rheinisch-Westfälische Technische Überwachungsverein (RWTÜV) hat sich mit der Sicherheit von Fahrradanhängern auseinandergesetzt und einige Mindestanforderungen aufgestellt. Freilich sind diese Mindestanforderungen in keiner Weise gesetzliche Vorschrift, vielmehr sind die Hersteller angehalten, diese Mindestanforderungen im Interesse ihrer Kunden zu erfüllen.

Aufgrund der fehlenden gesetzlichen Bestimmungen findet man auch Konstruktionen, die nicht immer verkehrssicher sind. Dieses hat die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) dazu veranlaßt, den RWTÜV mit einer Untersuchung von Fahrradanhängern zu beauftragen.
Sowohl die BASt, der RWTÜV als auch das Bundesministerium für Verkehr und einige Hersteller befürworten eine Bauartgenehmigungspflicht für Anhängerkupplungen. Diesem zentralen Bauteil hat man beim RWTÜV daher besondere Aufmerksamkeit geschenkt.
An die Kupplung werden folgende Anforderungen gestellt:

Nicht nur die Ankupplung des Anhängers an das Zugfahrzeug ist wichtig für die Sicherheit des Gespanns, sondern auch die Fahreigenschaften der Fahrrad-Anhänger-Kombination. Mit Hilfe von Computersimulationen sowie von Fahrversuchen hat man die Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Anhängertypen und dem Zugfahrrad untersucht. Da in dieser Untersuchung nur auf die Fahreigenschaften des Gespanns eingegangen werden sollte und alle anderen für die praxistauglichkeit entscheidenden Parameter wie z.B. Belastbarkeit unberücksichtigt blieben, reduzierte sich die Anhängervielfalt auf zwei Grundtypen: die an der Sattelstütze angekuppelten und die in der Nähe der Hinterradnabe angekuppelten Hänger.
Die Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Bei der Bremsung wird das Fahrrad von einem Anhänger am Hinterrad angehoben. Dadurch wird der Bremsweg verlängert. Bei einem an der Sattelstütze angekuppelten Hänger tritt dieser Effekt wesentlich stärker auf, als bei einem tiefer angekuppelten Hänger. Der Bremsweg ist daher bei tief angekuppelten Fahrradanhängern in der Regel kürzer als bei hoch angekuppelten (bei gleichem Zugfahrrad und gleicher Anhängelast). Auch die Wahrscheinlichkeit, dass das Hinterrad beim Bremsen in Kurven ausbricht, ist bei niedriger Deichsel geringer.

Das Rutsch- und Kippverhalten von Anhängern ist ebenfalls ein wichtiger, sicherheitsrelevanter Aspekt. Es ist u.a. abhängig von der Schwerpunktlage. Ein Anhänger neigt zum Kippen, wenn der Schwerpunkt zur kurvenäußeren Seite verschoben ist oder die Bodenhaftung groß ist. Bei schlechter Bodenhaftung (z.B. durch nasse oder verschmutzte Straße) oder nach innen verschobenem Schwerpunkt beginnt der Hänger schnell zu rutschen. Aus diesem Grunde sollte ein Anhänger immer symmetrisch beladen werden. Besonders bei Kinderanhängern ist dieser Punkt problematisch, weil diese Anhänger meistens zwei Sitze haben. Wird nur ein Fahrgast transportiert, kommt man bei vielen Anhängern um eine unsymmetrische Beladung kaum herum. Der RWTÜV fordert daher eine Sitz- und Gurtgestaltung, die eine mittige Sitzposition ermöglicht.
Auch der Ort der Ankupplung an das Fahrrad hat einen Einfluß auf das Kippverhalten: ein an der Sattelstütze angekuppelter Hänger neigt eher zum Umkippen, als ein in der Nähe der Hinterradachse angekuppelter. Eine Spurbreite von 75 cm oder mehr sorgt ebenfalls für Kippstabilität.

Die Studie zeigt, dass bei Beachtung einiger Regeln ein Fahrrad-Anhänger-Gespann durchaus ein sicheres Verkehrsmittel ist. Meiner Meinung nach ist ein Kinderanhänger sicherer als ein mit Kindersitzen beladenes Fahrrad, da

Vorraussetzung für eine hohe Sicherheit des Gespanns ist, dass

In der Vergangeneheit wurden verschiedene Anhänger mit Auflaufbremsen vorgestellt. Damit sollte es möglich sein, den durch den Anhänger verursachten zusätzlichen Bremsweg zu verkürzen. Die Bremsen des Zugfahrrades werden entlastet und das Fahrverhalten des Gespanns beim Bremsvorgang verbessert. Allerdings zeigte ein Test der Stiftung Warentest im Heft 05/03, dass die Funktion zu wünschen übrig ließ. Die gebremsten Anhänger waren eher schlechter als besser gegenüber den ungebremsten. Mittlerweile gibt es keine Anhänger mit Auflaufbremsen mehr am Markt.

Zur Bequemlichkeit, aber auch zur Sicherheit Ihres Kindes, sollten Sie beim Kauf eines Anhängers darauf achten, dass er Stoßdämpfer besitzt. Dadurch wird das Kind vor Erschütterungen geschützt. Denn selbst das Herabfahren vom Bürgersteig auf die Straße löst einen kleinen Schlag aus, der im Inneren des Anhängers spürbar ist. Wer seinen Anhänger bereits für ein kleines Kind oder sein Haustier nutzen möchte, ist mit einer einstellbaren Federung gut beraten. Aber auch ein verminderter Luftdruck dämpft Stöße, allerdings fährt sich der Anhänger dann nicht mehr so leicht.
Viele Fahrradanhänger sind so geräumig konzipiert, dass man in jedem Fall kleine sowie größere Taschen, Aktentaschen, Rucksätze oder auch Schulranzen, Kleidung und sogar Einkäufe durchaus reinlegen und dazu fügen kann, ohne das ein Kind beengt oder behindert wird.

Abschließend bleibt zu sagen, dass jeder Anhängerbesitzer oder jeder, der es werden möchte, zur Zeit noch selbst dafür verantwortlich ist, dass er keine Gefahr für sich und andere wird. Solange es keine konkreten Vorschriften für die Hersteller gibt, müssen Sie sich auf Ihren gesunden Menschenverstand und die Beratung des Fachhandels verlassen. Bei Beachtung einiger grundsätzlicher Dinge können Sie sicher sein, sicher zu fahren.

Übrigens: Wenn Sie mit Ihrem Fahrrad-Anhänger in den Urlaub fahren wollen und dabei nicht in Deutschland bleiben, sollten Sie berücksichtigen, dass im Ausland andere Bestimmungen als in Deutschland gelten.


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© Mai 2000
Peter de Leuw PdL, , letzte Aktualisierung: 27.05.2013

http://www.pdeleuw.de/fahrrad/anhaenger.html - ausgedruckt am 18.04.2014