[Fahrradanhänger - sicher oder unsicher?] [Fahrradanhänger - alles was Recht ist] [Mit dem Fahrradanhänger im Ausland]
[Kindertransport im Fahrrad-Anhänger] [Erfahrungen mit dem Ritschie2] [Der Hund im Fahrrad-Anhänger]
[Hersteller von Fahrradanhängern] [Weitere Infos]  

Fahrrad-Anhänger

alles was Recht ist

[Allgemeines] [Abmessungen] [Bremsen] [Beleuchtung]
[Kindertransport] [Weitere Bestimmungen] [Radwegebenutzungspflicht]

 

Zusammenfassung der aktuellen Rechtslage
Details mit Verweisen auf die entsprechende Rechtsverordnung folgen unten.

Englisch von Martin Trautmann

Allgemeines
Kinder dürfen in Fahrradanhängern transportiert werden, wenn diese entsprechende Sitze haben. Das Kind muss unter sieben Jahre alt sein, der Fahrer des Zugfahrrades muss mindestens 16 Jahre alt sein. Es dürfen maximal zwei Kinder im Anhänger transportiert werden. Für behinderte Kinder im Anhänger gilt die Altersbeschränkung nicht.
Es gibt keine Bauartgenehmigungspflicht für Anhänger oder Anhängerkupplungen. Allerdings muss eine Anhängerkupplung so gebaut sein, dass eine verkehrssichere Verbindung von Fahrrad und Anhänger gewährleistet ist. Das bloße Anbinden von Anhängern ist daher unzulässig.
Das Bundesverkehrsministerium hat im Verkehrsblatt 22/99, Seite 703 ff, das "Merkblatt für das Mitführen von Anhängern hinter Fahrrädern" herausgegeben, "um Herstellern und Nutzern von Fahrradanhängern Orientierungshilfen über den Stand der Technik und Handhabung von Fahrradanhängern" zu geben. Das Merkblatt ist maßgeblich vom Rheinisch-Westfälischen Technischen Überwachungsverein (RWTÜV) erarbeitet worden. Auch wenn von Zeit zu Zeit immer wieder von verschiedenen Seiten behauptet wird, dieses Dokument habe rechtliche Relevanz – es ist ausdrücklich nur eine Orientierungshilfe. Man findet in diesem Merkblatt u.a. auch Dinge über eine Bauartprüfung von Anhängerkupplungen oder eigene Bremsen am Hänger ab bestimmten Lasten – beides sollte vom RWTÜV in der StVZO durchgesetzt werden. Die entsprechende Verordnung ist jedoch im Bundesrat gescheitert.

Gemäß § 63 Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) werden für Fahrradanhänger bezüglich der Abmessungen, Achslast, Gesamtgewicht und Bereifung die Vorschriften für Kfz-Anhänger herangezogen (§§ 32, 34, 36 Abs. 1). Daraus ergeben sich die folgenden Bestimmungen:

Abmessungen
Die Breite des Anhängers darf 1 Meter nicht überschreiten (§ 32 (1) Nr. 3 StVZO), die maximale Höhe beträgt 4 Meter (§ 32 (2) StVZO). Die maximale Länge wird durch § 32 (3) StVZO auf 12 bis 18,75 Meter festgelegt (§ 32 (4) StVZO).
Auch wenn z.B. der ADAC oder das Bayerische Justizministerium behauptet, die Gesamtmasse eines ungebremsten Kinderanhängers dürfe 40 kg nicht überschreiten, gibt es keine entsprechende Bestimmung dafür. Die Behauptung des ADAC entbehrt jeder Grundlage. Auch auf Nachfrage konnte mir die zugrundeliegende Bestimmung nicht genannt werden – kein Wunder, es gibt auch keine. Das manchmal als Quelle angeführte "Merkblatt für das Mitführen von Anhängern hinter Fahrrädern" ist eine Empfehlung, die sich insbesondere an Hersteller zur Orientierung bei der Konstruktion von Fahrradanhängern richtet. Maßgeblich beteiligt an diesem Merkblatt war ein Ingenieur des TÜV, der eine Auflaufbremse für Fahrradanhänger entwickelt hatte. Kein Wunder, dass er ein persönliches Interesse daran hatte, Fahrradanhänger mit einer Bremse auszustatten. Dieses Merkblatt hat keinerlei rechtliche Bindung.

Bremsen
Fahrradanhänger benötigen keine eigene Bremse. Daher ist es eine unbedingte Voraussetzung, dass das Zugfahrrad eine auch bei Nässe zuverlässige und sehr gut funktionierende Bremsen besitzt. Es gibt Anhänger, die mit 90 kg belastet werden dürfen. Zusammen mit dem Anhängergewicht, das um 10 kg liegt, kann die zusätzliche Last mehr als 100 kg betragen, die von den Fahrradbremsen mitgebremst werden müssen! Die DIN 79100, die Mindestanforderungen für Fahrradbremsen definiert, geht von einem Gesamtgewicht (Fahrrad + Fahrer) von 100 kg aus. Diese Anforderungen sind für Anhängergespanne nicht ausreichend.
Inzwischen bietet der Markt Anhänger mit Auflaufbremsen an. Die Funktion ist aber derzeit (2003) noch nicht überzeugend.

Beleuchtung
Der Anhänger muss mit einer Schlußleuchte ausgestattet werden, wenn der Anhänger oder dessen Ladung das Rücklicht des Zugfahrrades verdeckt. Dies ist in der Regel bei Kinderanhängern immer der Fall. Da der Betrieb einer einzelnen Schlußleuchte mit einem Dynamo nicht möglich ist, wird hier auch eine batteriebetriebene Leuchte geduldet.
Für die Beleuchtung von Fahrradanhängern werden i.a. die Vorschriften über Beiwagen für Fahrräder herangezogen (§ 67 (4) StVZO). Juristisch ist dies allerdings nicht korrekt, da die Vorschrift nach § 63 StVZO die Anwendung der für Kraftfahrzeuge geltenden Vorschriften nur bezüglich der Abmessungen, der Achslast, Gesamtgewicht und Bereifung von Kraftfahrzeugen und ihren Anhängern auf andere Straßenfahrzeuge, also auch für Fahrradanhänger zu übertragen ist – nicht jedoch für die Beleuchtung. Allerdings ist es empfehlenswert, sich nach dem § 67 der StVZO zu richten. Demnach ist die folgende Ausstattung zwar nicht vorgeschrieben, aber zweckmäßig:

Alle Beleuchtungseinrichtungen müssen vom Kraftfahrtbundesamt (KBA) zugelassen und ständig betriebsfertig sein (§ 67 (2) StVZO). Weitere Informationen über die Zulässigkeit von Beleuchtungseinrichtungen.

 

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Transport von Kindern in Fahrradanhängern
Der Transport von Kindern in Anhängern ist generell zulässig. Die durch diverse Gerichtsurteile zu Kinderanhängern ausgelöste Unsicherheit von Anhängernutzern und Polizei hat das Bundesministerium für Verkehr mit seiner Stellungnahme im Jahre 1991 ausgeräumt. Damit ist offiziell der Transport von Kindern in Fahrradanhängern, die für diesen Zweck konstruiert wurden, für zulässig erklärt worden.
Der Anhänger muss dazu analog der Vorschrift für den Kindertransport auf Fahrrädern (§ 21 (3) Straßenverkehrs-Ordnung, StVO) mit geeigneten Sitzen augestattet sein. Durch Radverkleidungen o.ä. muss wirkungsvoll verhindert werden, dass die Kinder in die Räder greifen können. Analog zu § 3 (3) StVO gilt außerdem, dass das Mindestalter des Fahrers 16 Jahre, das Höchstalter des beförderten Kindes 7 Jahre beträgt. Eine Übertragung dieser Vorschrift auf den Transport von Behinderten in Rollstuhl-Fahrrad-Kombinationen oder auf Rikschas ist hingegen wohl nicht möglich. In diesen Fällen greift die Altersbeschränkung nicht.

 

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Weitere Bestimmungen

Die Art der Bereifung muss den Betriebsbedingungen entsprechen, es ist keine Mindestprofiltiefe erforderlich (§ 36 (1) StVZO).
Streng genommen muss außerdem der § 34 StVZO beachtet werden, der Achslast und Gesamtgewicht festlegt. Diese Vorschrift ist für Fahrradanhänger aufgrund der dort genannten Beschränkungen in der Praxis jedoch nicht relevant.
Weitere Vorschriften über Kfz-Anhänger werden in § 63 StVZO nicht genannt und sind daher für Fahrradanhänger nicht gültig.

Der Einsatz einer Federung am Kinderanhänger ist sinnvoll und kann nur empfohlen werden.

 

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Radwegebenutzungspflicht

Die Benutzungspflicht von Radwegen wurde 1997 durch die 24. Novelle der StVO neu geregelt. Demnach ist jeder Radweg benutzungspflichtig, der mit einem "Radweg-Schild" (Radweg [Z. 237], getrennter Geh- und Radweg [Z. 241], gemeinsamer Geh- und Radweg [Z. 240]) ausgeschildert ist.
Nicht benutzungspflichtig ist ein Radweg trotz Ausschilderung, wenn der Radweg nicht erreichbar ist. Dieses kann für Fahrrad-Anhänger-Gespanne dann der Fall sein, wenn die Absenkung nicht breit genug ist, wenn der Radweg abgepollert oder mit einer Umlaufschranke versperrt ist oder wenn der Radweg zu schmal ist. In diesen Fällen muss auf die Fahrbahn ausgewichen werden. Die Benutzung des Gehweges ist unzulässig!
Radwege dürften eigentlich nur noch benutzungspflichtig sein, wenn sie bestimmten Mindestanforderungen genügen. Dazu gehört auch eine Mindestbreite. Diese Mindestbreite ist für einspurige Fahrräder ausgelegt. Gemäß der Verwaltungsvorschriften zur Straßenverkehrsordnung soll deshalb generell nicht beanstandet werden, wenn ein Fahrrad mit Anhänger einen an sich benutzungspflichtigen Radweg nicht benutzt. Die Breite eines Radweges reicht in der Regel für Anhänger nicht aus.

 

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Mit dem Anhänger im Ausland

Die Rechtslage für den Kindertransport im Fahrradanhänger ist im Ausland uneinheitlich geregelt. Wichtig ist die Kenntnis der Rechtslage immer dann, wenn der Kinderanhänger auch im Urlaub im Ausland zum Einsatz kommen soll. Siehe dazu auch adfc.de/1101_1.
In Kroatien, Spanien, Tschechien und Zypern ist ein Kinderanhänger nach meinen Informationen nicht zulässig.
In folgenden Ländern ist nach meinen Informationen(*) der Kindertransport in Fahrradanhängern zulässig:
Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Island, Italien, Kanada, Norwegen, Niederlande, Österreich, Schweiz, Slowenien.
In allen genannten Ländern bis auf Griechenland, Island und Kanada ist die Regelung gesetzlich verankert. In manchen Ländern gelten besondere Vorschriften:

In Österreich gelten gemäß der Fahrradverordnung in der Fassung von Juni 1998 die folgenden Vorschriften:
Bestimmungen über das Ziehen von Anhängern
§ 3. (1) Für Fahrräder, die einen Anhänger ziehen, gelten außer den Vorschriften der §§ 1 und 2 noch folgende Bestimmungen:
1. der Tretmechanismus des Fahrrades muss zumindest eine Gangstufe mit einer Entfaltung von höchstens 4 m pro Kurbelumdrehung aufweisen;
2. wenn mit dem Anhänger Kinder befördert werden, ist das Fahrrad oder der Anhänger so auszurüsten, dass ein Berühren der Speichen durch beförderte Kinder und ein Einklemmen von Gliedmaßen zwischen Hinterrad und Radabdeckung ausgeschlossen ist;
3. das Fahrrad muss über einen Fahrradständer verfügen.
(2) Rennfahrräder dürfen nicht zum Ziehen von Anhängern verwendet werden.

In Italien dürfen Rad und Hänger zusammen nicht länger als 3 m sein (Vorsicht also bei Tandems!), die maximale Breite ist 75 cm, die maximale Höhe ist 1 m. Die Gesamtmasse darf 50 kg nicht überschreiten, Beleuchtung ist erforderlich.

In Luxemburg benötigen Kinderanhänger eine Erlaubnisvignette des Transportministeriums.

In der Schweiz gibt es Vorschriften über die maximalen Abmessungen: Läge 2,5 m, Breite 1 m, Höhe 1,2 m. Reflektoren sind vorn und hinten (gelb!) vorgeschrieben, die maximale Masse beträgt 80 kg. Es dürfen maximal zwei Kinder transportiert werden.

(*) Für die Richtigkeit und Aktualität dieser Angaben keine Gewähr. Im Zweifel sollte man sich also vor der Reise noch einmal nach der aktuellen Rechtslage erkundigen.

 

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Weitere Infos:

 

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Hersteller Lastenanhänger

Hersteller Kinderanhänger, Trailerbikes

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© September 1998
Peter de Leuw PdL, , letzte Aktualisierung: 13.01.2014

http://www.pdeleuw.de/fahrrad/anhaenger-fakten.html - ausgedruckt am 23.10.2014