ADFC FDF-Archiv

ForschungsDienst Fahrrad


FDF 219 - 11.06.1994

11.6.94
KAI SCHLEGTENDAL:

FAHRRAD UND ÖPNV AUS DER SICHT DER NUTZER

Fahrradboxen bringen Autofahrer zum Umsteigen auf Bike & Ride

Wichtigstes Ergebnis: Umsteigeanlagen für den Bike & Ride - Verkehr sollten mit abschließbaren Fahrradboxen ausgestattet werden. Trotz der Mehrkosten im Vergleich zu einfacheren Abstellanlagen sind Fahrradboxen besonders wirtschaftlich, weil sie Autofahrer zum Umsteigen veranlassen (geringere Kosten des Kfz-Verkehrs durch ersparte Autofahrten), Schutz gegen Diebstahl und Beschädigung bieten und neue Fahrgäste zum ÖPNV bringen.

Zum Inhalt: In einem von Kai Schlegtendal durchgeführten Vergleich von Abstellanlagen für den Bike & Ride - Verkehr im Bereich des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR) wurden (a) konventionelle Abstellanlagen (Vorderradclips), (b) Fahrradbügel, (c) Fahrradboxen und (d) Fahrradstationen mit Bewachung untersucht.

Weil Fahrräder durchschnittlich 8 Std. lang am Bahnhof stehen, sollte eine Abstellanlage mindestens diebstahlsicher und gegen mutwillige Beschädigungen sicher sein. Nach den im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr VRR geltenden Mindeststandards sollen Fahrradstellplätze überdacht sein, in ausreichenden Abstand voneinander stehen, ein Anschließen des Rahmens und ebenerdiges Abstellen ermöglichen (Bild 1).

Die auch an VRR-Bahnhöfen noch verbreiteten konventionellen Abstellanlagen sind nicht diebstahl- und beschädigungssicher und entsprechen den Mindeststandards des VRR nicht. Fahrradstationen mit Bewachung, Fahrradvermietung und Service sind im VRR-Gebiet bislang nicht vorhanden und nur an einigen Standorten realistisch (Tab. 1). Die beim VRR beliebten Fahrradbügel schränken das Diebstahlrisiko nur ein; Fahrräder können dort mutwillig beschädigt werden.

Mit einer Befragung wurden die Meinungen von Nutzern verschiedener Abstellanlagen erhoben. Den meisten Nutzern von Fahrradbügeln wurde ihr Rad bereits drei- oder viermal beschädigt. 79% der Nutzer von Fahrradbügeln sind mit der Sicherheit unzufrieden. Fahrradbügel eignen sich nur bedingt für den Bike & Ride-Verkehr (Bild 6), und sollten deshalb durch besser geeignete Anlagen ergänzt werden.

Am besten eingeschätzt werden Fahrradboxen. 91% der Nutzer von Fahrradboxen beurteilen diese ausschließlich positiv, vor allem wegen ihrer Diebstahl- und Beschädigungssicherheit. Nach den Untersuchungsergebnissen von Schlegtendal sollten 50-70% aller Abstellplätze für Fahrräder an Bike & Ride - Anlagen in Fahrradboxen angeboten werden.

Die Befragungsergebnisse der Untersuchung deuten auf einen Zusammenhang zwischen der Qualität von Fahrradabstellanlagen und dem Verkehrsverhalten. Bisherige Nutzer von Fahrradbügeln würden mehr Sicherheit empfinden, höherwertige Räder einsetzen oder öfter Bike + Ride nutzen (Bild 8). Wenn sie keine Box mehr zur Verfügung hätten, würden die Nutzer von Fahrradboxen weit mehr als die Hälfte der Bike & Ride-Fahrten mit einem anderen Verkehrsmittel zurücklegen (Bild 9), die meisten davon ganz oder teilweise mit dem motorisierten Individualverkehr (Bild 10).

Der Nutzen einer Fahrradbox (Tab. 2) läßt sich aus den ersparten Betriebs- und Umweltkosten der geringeren Autonutzung, aus der Vermeidung von Diebstahl und Beschädigung und den gewonnenen und behaltenen Kunden von Verkehrsunternehmen abschätzen. Schlegtendal ermittelt so einen Nutzen je Fahrradbox von jährlich 856 DM /Jahr (Tab. 2). Dieser Nutzen übersteigt bereits bei Anlagen mit 10 Fahrradboxen die im Vergleich zu Fahrradbügeln höheren Betriebskosten. Der Einsatz von Fahrradboxen wird umso wirtschaftlicher, je mehr Fahrradboxen in einer Anlage aufgestellt werden (Tab. 3).

Artikel: "Fahrrad und ÖPNV aus der Sicht der Nutzer", von Kai Schlegtendal, in: Verkehr + Technik 1994, Heft 1; S.30-35.

Anschrift: Dipl.-Ing. Kai Schlegtendal, Albertstr. 18, D-67555 Kaiserslautern, di.: Büro Meckler & Partner, Tel. 0631/13058; Fax. 0631/25544.

FDF 219 vom 11.6.94


Der Forschungsdienst Fahrrad des ADFC berichtete bis 1999 14-tägig über Verkehrswissenschaft und Fahrradpolitik. Vielen Dank an die Herausgeber Tilman Bracher und Mattias Doffing und an Elmar Steinbach, der die FDFs ins Internet gebracht hat.

Seit Mitte 1999 ist der Forschungsdienst Fahrrad eingestellt. Er wurde durch den Bicycle Research Report ersetzt, der beim ECF (www.ecf.com) abonniert werden kann. werden kann. European Cyclists' Federation ECF - Rue de Londres 15 (b. 3) - B-1050 Brussels - Phone: +32-2-512 98 27 - Fax: +32-2-511 52 24, e-mail: office@ecf.com


Webtechnik: Heiner.Schorn@informatik.umu.se   FDF-HomePage http://www-2.informatik.umu.se/adfc/fdf/