ADFC FDF-Archiv

ForschungsDienst Fahrrad


FDF 212 - 05.03.1994

WOLFGANG REICHE / THOMAS FROITZHEIM: HANDREICHUNG ZUR FÖRDERUNG DES FAHRRADTOURISMUS

Attraktive Angebote locken Fahrradtouristen

Wichtigstes Ergebnis: Fremdenverkehrsorte, die für Fahrradtouristen attraktiv werden wollen, benötigen ein Radroutennetz mit Radfernrouten und Radwanderrouten und geeignete Angebote in Gaststätten und Hotels. Für Radfahrer, die gerne in geführten Gruppen radeln, sollten organisierte Radreisen und ortskundig geführte Exkursionen angeboten werden.

Zum Inhalt: Die vom ADFC herausgegebenen und vom Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit sowie dem Umweltbundesamt geförderten Handreichungen zur Förderung des Fahrradtourismus sollen Fremdenverkehrsorten zeigen, wie sie für Radwanderer attraktiv werden und den Fahrradtourismus fördern können. Denn Radwandern ist eine attraktive Reiseform, gesund, energiesparend, kontaktfördernd, aktiv und macht obendrein noch Spaß. Und eine Alternative zum motorisierten Freizeitverkehr, denn schon jetzt werden 50% aller Autofahrten zu Freizeitzwecken unternommen, mit steigender Tendenz.

Fahrradtouristen benötigen zuallererst ein geeignetes Radroutennetz mit kreisübergreifenden Radfernrouten für größere Entfernungen und Radwanderrouten auf Kreis- oder Gemeindeebene. Attraktive Radrouten sollten ganz oder weitgehend autofrei sein, durchgängig und ganzjährig befahrbar, ausreichend breit um gefahrlos nebeneinanderzufahren und überholen zu können und gegen unbefugten Mißbrauch z.B. durch Kraftfahrzeuge und Pferde baulich geschützt. Die Routen sollten so geführt werden, daß Gasthäuser und Cafes, Unterkünfte, sogenannte "Erlebnisinseln", Badestrände oder Schwimmbäder, Spielplätze sowie Fahrradservicestationen tangiert werden und in ausreichenden Abständen Rastplätze und Unterstellmöglichkeiten zum Schutz vor schlechter Witterung liegen.

Für den Aufbau eines touristischen Radroutennetzes empfehlen sich außerorts selbständig geführte Radwanderwege, befestigte Wald- und Feldwege, öffentlich nutzbare Privatwege, Radwege entlang klassifizierter Straßen, Deichwege und Deichverteidigungswege und verkehrsarme Straßen.

Die Handreichungen enthalten Hinweise zur Bauausführung (Asphalt ?), zur Wegweisung (System von Vor-, Haupt- und Zwischenwegweisern), zu Kartenmaterial (Radwander- und Radtourenkarten als Orientierungsmittel), Radwanderführern, Abstellanlagen (auch für bepackte Räder), zum Bedarf nach Fahrradtransport (in Bahnen, Bussen, Fähren und Schiffen), zur Fahrradvermietung, zu Serviceangeboten (geeignete Angebote und Öffnungszeiten) und zu Fragen der Finanzierung, zu Recht, Haftung, Versicherung und zum Marketing.

Radfahrer wünschen sich entlang ihrer Route fahrradfreundliche Gaststätten und Hotels. Gastronomiebetriebe sollten im Sichtbereich der Gäste vor dem Lokal einen ebenen, überdachten Fahrradständer haben, aber auch einen Raum zum Verschließen des Rades mitsamt Gepäck bereithalten und geeignete Getränke und Speisen anbieten. Ein fahrradfreundlicher Beherbergungsbetrieb sollte am Ortseingang auf sich aufmerksam machen, per Wegweisung zur Unterkunft von ausgewiesenen Radwander- und Radfernwegen zu finden sein, Gäste auch für nur eine Nacht aufnehmen, Trockenmöglichkeit für die Kleidung und eine Fahrradwerkzeugkiste haben, eine ebenerdige und überdachte Fahrradabstellanlage vor oder neben dem Haus sowie insbesondere für die Nacht eine gut geschützte, verschließbare Fahrradabstellanlage erhalten.

Immer häufiger wählen Touristen für den Zweit- oder Dritturlaub näherliegende Reiseziele und das Fahrrad zunehmend als Hauptverkehrsmittel. Für Touristen, die ihre freien Tage aktiv und gesundheitsbewußt in einer radelnden Gruppe verbringen wollen, bieten inzwischen organisierte Radreisen in alle Gegenden Deutschlands und ins Ausland an. Für Menschen, die sich eigene Exkursionen per Rad nicht zutrauen oder die Umgebung lieber unter ortskundiger Führung erkunden, sollten geführte Touren und Pauschalangebote z.B. zu Sehenswürdigkeiten, als Rundkurse oder durch schöne Gegenden angeboten werden.

Die Erfahrungen der Radreiseveranstalter zeigen: Je mehr geboten wird, desto mehr zahlen die Gäste auch - bei einem ansprechenden Übernachtungs- und Verpflegungskomfort nicht selten über 100 DM/Tag. Alleine am "Donauradweg", wo zwischen Passau und Wien jährlich mehr als 100.000 Radfahrer jeweils im Mittel 9 Tage unterwegs sind und pro Tag 60 DM verbrauchen, geben Fahrradtouristen 54 Mio. DM pro Jahr aus. Inzwischen leben die Gastwirte am Donauradweg etwa zur Hälfte vom Fahrradtourismus.

Broschüre: "Handreichung zur Förderung des Fahrradtourismus" von Wolfgang Reiche und Thomas Froitzheim, hg. Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club, Bremen 1993.

Anschriften: Wolfgang Reiche, Manteuffelstr. 60, 28203 Bremen, Tel. 0421/75890 pr., 0421 / 701179 di.; Thomas Froitzheim, Pfälzer Straße 20, 33613 Bielefeld, Tel. 0521 / 896190 pr, 0521/595-582 di.

Zu beziehen gegen eine Schutzgebühr von DM 6 in Briefmarken beim ADFC, Bremen.


Der Forschungsdienst Fahrrad des ADFC berichtete bis 1999 14-tägig über Verkehrswissenschaft und Fahrradpolitik. Vielen Dank an die Herausgeber Tilman Bracher und Mattias Doffing und an Elmar Steinbach, der die FDFs ins Internet gebracht hat.

Seit Mitte 1999 ist der Forschungsdienst Fahrrad eingestellt. Er wurde durch den Bicycle Research Report ersetzt, der beim ECF (www.ecf.com) abonniert werden kann. werden kann. European Cyclists' Federation ECF - Rue de Londres 15 (b. 3) - B-1050 Brussels - Phone: +32-2-512 98 27 - Fax: +32-2-511 52 24, e-mail: office@ecf.com


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