ADFC FDF-Archiv

ForschungsDienst Fahrrad


FDF 208 - 08.01.1994

MICHELE HERMAN u.a.:

FAHRRAD-BLAUDRUCK. EIN PLAN, DAMIT RADFAHREN IN DER STADT NEW YORK WIEDER DAZUGEHÖRT

Wegen Diebstahlgefahr sollen Fahrräder in New York mit ins Büro

Taxifahrer sollen Sensitivitätstraining auf dem Fahrrad absolvieren

Wichtigstes Ergebnis: 151 in einem Forderungskatalog für New York zusammengestellte Sofortmaßnahmen sollen sicherstellen, daß Radfahrer überallhin ohne Angst vor Autos fahren können. Nach den Vorschlägen sollen Radfahrer ihre Fahrräder mit an den Arbeitsplatz nehmen können, Brücken sicher und leicht überqueren und beim Einkaufen, Essen und Besichtigungen sicher parken können.

Zum Inhalt: Ein Bicycle Blueprint (Fahrrad-Blaudruck) genannter Forderungskatalog des Verkehrsclubs Transportation Alternatives zur Steigerung der Fahrradnutzung in New York enthält 151 detaillierte kostengünstige Sofortmaßnahmen für 34 staatliche und städtische Einrichtungen.

Etwa 75.000 New Yorker benutzen das Fahrrad täglich als Verkehrsmittel. Eine Verzehnfachung der Fahrradnutzung würde den New Yorkern, so Blueprint-Herausgeber Charles Komanoff, jährlich $ 0,5 - 1 Mrd. an direkten Fahrtkosten und indirekten Kosten für Luftverschutzung und Stau ersparen.

Das 161seitige Sofortprogramm enthält Vorschläge zum Straßenentwurf, zur Fahrbahnoberfläche, zu grünen Verbindungen (greenways), Radfahrrouten in Parks, Verkehrsreduzierung und autofreien Straßen. Kernstück ist ein 500-Meilen-Netz von Fahrradspuren auf der Fahrbahn durch alle fünf Bezirke, eine Verfünffachung des derzeitigen Bestands. Der Bürgermeister soll New York zur fußgänger- und radfahrerfreundlichen Stadt deklarieren, auf die Vorteile des Radfahrens für New York hinzuweisen, und das Ziel setzen, die Fahrradnutzung bis zum Jahr 2000 zu verdoppeln.

Fahrräder sollen wegen der in New York hohen Diebstahlgefahr nicht außerhalb abgestellt, sondern mit an den Arbeitsplatz genommen werden. In neuen Gebäuden und bei Instandsetzungsarbeiten sollen Fahrradstellplätze geschaffen und Angestellte ihre Fahrräder in alle gewerblich genutzten Gebäude mitnehmen dürfen. Transporträder sollen während der Belieferung aber auf Gehwegen parken dürfen. Personen, die bei ihrer Arbeit eigene Fahrräder benutzen, sollen dafür dieselbe Erstattung erhalten wie Autofahrer.

Durch Verbesserungen der Infrastruktur soll erreicht werden, daß Radfahrer inNew York überallhin ohne Angst vor Autos fahren können. Radfahrer sollen künftig New Yorks Brücken sicher und leicht überqueren können und beim Einkaufen, Essen und Besichtigungen sicher parken können. Das Radverkehrsnetz und öffentliche Verkehrsmittel sollen gut miteinander verknüpft werden.

Außerdem sind Maßnahmen notwendig, damit sich das Verkehrsverhalten bessert. Fahrradkurierfirmen und die immer beliebteren Essenslieferdienste sollen für ihre Radfahrer Trainingsprogramme veranstalten, damit Radfahrer nicht auf Gehwegen fahren und die allgemeinen Rechte der Fußgänger besser beachten. Und die häufig rücksichtslosen Taxifahrer sollen zu einem Sensitivitätstraining auf dem Fahrrad in der New Yorker Innenstadt verpflichtet werden und lernen, besser mit Radfahrern umzugehen.

Planungsbericht: "Bicycle Blueprint. An Plan to Bring Bicycling Into The Mainstream In New York City." von Michele Hermann sowie Charles Komanoff, Jon Orcutt, David Percy, Hg. Transportation Alternatives, New York 1993. 160 Seiten.

Anschriften: Transportation Alternatives, 92 St. Marks Place, New York, NY 10009, USA. Tel. +01-212-475-4600. Preis incl. Versandkosten $20 (Nordamerika $15).

FDF208 vom 08.01.94 / BRR 45 März 1994


Der Forschungsdienst Fahrrad des ADFC berichtete bis 1999 14-tägig über Verkehrswissenschaft und Fahrradpolitik. Vielen Dank an die Herausgeber Tilman Bracher und Mattias Doffing und an Elmar Steinbach, der die FDFs ins Internet gebracht hat.

Seit Mitte 1999 ist der Forschungsdienst Fahrrad eingestellt. Er wurde durch den Bicycle Research Report ersetzt, der beim ECF (www.ecf.com) abonniert werden kann. werden kann. European Cyclists' Federation ECF - Rue de Londres 15 (b. 3) - B-1050 Brussels - Phone: +32-2-512 98 27 - Fax: +32-2-511 52 24, e-mail: office@ecf.com


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