ADFC FDF-Archiv

ForschungsDienst Fahrrad


FDF 193 - 29.05.1993

BOUDEWIJN BACH, NORMAN PRESSMAN: DER KLIMAEMPFINDLICHE ÖFFENTLICHE RAUM. KONZEPTE UND INSTRUMENTE FÜR MENSCHLICHE STÄDTE

Am Bioklima orientierte Stadtplanung erhöht Fahrradnutzung

Wichtigstes Ergebnis: Weil die Witterung (Bioklima) zu den wichtigsten Einflüssen der Verkehrsmittelwahl gehört, sollten Fahrradroten teilweise überdacht und windgeschützt ausgestattet werden, und Abstellanlagen einen Wetterschutz erhalten.

Zum Inhalt: Die meisten Stadtzentren leiden unter den Folgen einer vom Auto geprägten Entwicklung: Sie sind zersiedelt, Energie, Land und Rohstoffe werden uneffizient genutzt, und sie sind nicht sehr ästhetisch. Nach dem von Boudewijn Bach (Niederlande) und Norman Preßman (Kanada) gemeinsam verfaßten englischsprachigen Buch "Climate-Sensitive Urban Space" läßt sich dies durch eine am Bioklima orientierte Stadtplanung entscheidend verbessern.

Da Witterungseinflüsse zu den wichtigsten Einflußgrößen der Fahrradnutzung, des Zu-Fuß-Gehens und für die Wahl des öffentlichen Verkehrs gehört, muß auch die Stadtplanung auf das Bioklima Rücksicht nehmen, damit Autos weniger genutzt werden. Weil der Autoverkehr Maßstäbe setzt, sollte der Wetterschutz mindestens so gut oder besser sein als bei einer direkten Fahrt mit dem Auto.

Im öffentlichen Raum sollten dabei auch die Umsteigeanlagen der öffentlichen Verkehrsmittel gegen Einflüsse der Witterung geschützt werden und gut erreichbar sein. Ein Beispiel bilden die an Flughäfen üblichen bequemen und überdachten Zugangs- und Umsteigewege. Auch benutzen wesentlich mehr Menschen öffentliche Verkehrsmittel, wenn radiale Abkürzungen zu Bahnhöfen und Haltestellen die Zugangswege verkürzen, und wenn die Bebauung in Bahnhofsnähe verdichtet wird.

Radwege und Fußgängersysteme sollten zumindest teilweise witterungsgeschützt werden. Dabei sollten die wichtigsten direkten radialen Hauptrouten einer Stadt mit Vorrang ausgestattet werden. Abstellanlagen sollten Wetterschutz erhalten, und Lichtsignalanlagen mit einer Wartezeit von mehr als 40 Sekunden überdachtes Warten ermöglichen. Gute Angebote können Passagen für Fußgänger und Radfahrer bieten. Dabei sollten Fahrradrouten durch oder entlang von Galerien und überdachten Straßen wirksam von Fußgängerbereichen getrennt werden.

Maßnahmen gegen den Einfluß der Witterung sind zur Förderung des Radverkehrs in heißen, kalten und windigen Regionen besonders notwendig. Der notwendige Windschutz für Gegenden mit kaltem Klima und unangenehmen Wintern kann durch Vegetation, Mauern und Zäune gestaltet werden. Rampen von Fahrradrouten sollten in kalten Gegenden gegen Glatteisbildung beheizt werden. In Gegenden mit unangenehm heißen Sommern bietet es sich an, entlang von Radrouten schattenspendende Bäume mit großen Kronen zu pflanzen.

Buch: "Climate-Sensitive Urban Space. Concepts and Tools to Humanize Cities" (englisch), von Boudewijn Bach und Norman Preßman. Delft 1992. ISBN 90-5269-112-6.

Autoren: Prof. Boudewijn Bach, Fakultät für Architektur, Technische Universität Delft, Postfach 5043, NL-2600 GA Delft, Tel. +31-15-78-4146, Fax. +31-15-78-4727; Prof. Norman Preßman, Schule für Stadt- und Regionalplanung, Universität Waterloo, 178 Lincoln Rd., Waterloo, Ontario, Kanada, Tel. +1-519-885-1211, Fax. +1-519-725-2827.


Der Forschungsdienst Fahrrad des ADFC berichtete bis 1999 14-tägig über Verkehrswissenschaft und Fahrradpolitik. Vielen Dank an die Herausgeber Tilman Bracher und Mattias Doffing und an Elmar Steinbach, der die FDFs ins Internet gebracht hat.

Seit Mitte 1999 ist der Forschungsdienst Fahrrad eingestellt. Er wurde durch den Bicycle Research Report ersetzt, der beim ECF (www.ecf.com) abonniert werden kann. werden kann. European Cyclists' Federation ECF - Rue de Londres 15 (b. 3) - B-1050 Brussels - Phone: +32-2-512 98 27 - Fax: +32-2-511 52 24, e-mail: office@ecf.com


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