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ForschungsDienst Fahrrad


FDF 189 - 03.04.1993

ROBERT SCHNÜLL, DANKMAR ALRUTZ u.a.: SICHERUNG VON RADFAHRERN AN STÄDTISCHEN KNOTENPUNKTEN

Auch BASt-Studie belegt: Radwege an Kreuzungen besonders unfallträchtig

Wichtigstes Ergebnis: An Knotenpunkten sind Radfahrer auf der Fahrbahn oder - außer im Kreisverkehr - auf Radfahrstreifen erheblich sicherer als auf Radwegen. Dies belegt eine Untersuchung zur Führung geradeausfahrender Radfahrer auf städtischen Hauptverkehrsstraßen für die Bundesanstalt für Straßenwesen.

Zum Inhalt: Eine für die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) erstellte Studie von Universität und Planungsbüro PGV Hannover enthält wichtige Erkenntnisse zur "Führung und Behandlung geradeausfahrender Radfahrer im Verlauf angebauter städtischer Hauptverkehrsstraßen". Dazu wurden Modellrechnungen zur Sicherheit der Radfahrer und der Leichtigkeit des Kfz-Verkehrs durchgeführt, in- und ausländische Analysen ausgewertet, sowie Knotenpunkte von 44 unterschiedlichen Streckenabschnitten in Bonn, Braunschweig, Bremen, Darmstadt, Hannover, Münster und Rosenheim empirisch untersucht.

Die Unfallgefährdung von Radfahrern an Knoten ist bei Führung auf der Fahrbahn oder - außer bei Kreisverkehr - auf _Radfahrstreifen_ (von der Fahrbahn mit einer durchgezogenen Linie abmarkierter "Sonderweg" für Radfahrer) erheblich geringer als auf _Radwegen mit Radfahrfurten_. In der Regel registriert die Polizei 50 - 60% aller Unfälle von Radfahrern an Knotenpunkten. An Straßen mit Radwegen liegt der Anteil der Knotenpunktunfälle aber deutlich höher als an Straßen ohne Radweg.

An _Straßen mit Radwegen_ werden fast ausschließlich geradeausfahrende Radfahrer in Unfälle verwickelt; darunter sind auch die, die indirekt links abbiegen wollten. Besonders unfallgefährdet sind Radfahrer, die einen Radweg (erlaubt oder unerlaubt) auf der linken Straßenseite benutzen. An Straßen mit Radwegen trifft Radfahrer deutlich seltener die Schuld oder Mitschuld an Unfällen als bei Straßen ohne Radweg. LKW sind an Radfahrerunfällen an Knotenpunkten mit Radweg fast doppelt so häufig beteiligt als an Knotenpunkten ohne Radweg.

An Knotenpunkten _ohne Lichtsignalanlagen_ ist die Unfallgefährdung geradeausfahrender Radfahrer auf der Fahrbahn oder auf Radfahrstreifen erheblich geringer als auf Radwegen. Durch Teilaufpflasterungen in den Einmündungsbereichen werden Radwegüberfahrten gegenüber markierten Radfahrfurten erheblich sicherer.

Auch an Knotenpunkten mit _Lichtsignalanlagen_ kommt es zu erheblich weniger Radfahrerunfällen, wenn geradeausfahrende Radfahrer auf der Fahrbahn oder auf Radfahrstreifen geführt werden. Gegebenenfalls vorhandene Radwege sollten deshalb an Knotenpunkten durch Radfahrstreifen ersetzt werden. Das Maß der Absetzung von Radwegen wirkt sich auf die Verkehrssicherheit der Radfahrer und auf die Leistungsfähigkeit des Kraftfahrzeugverkehrs entgegengesetzt aus: weit abgesetzte Radfahrfurten sind am gefährlichsten, stören aber den Autoverkehr am geringsten.

An _freien Rechtsabbiegefahrbahnen_ mit Dreiecksinsel (in Verbindung mit einem Knotenpunkt mit Lichtsignalanlage) treten Unfälle zwischen rechtsabbiegenden Kraftfahrzeugen und geradeausfahrenden Radfahrern erheblich häufiger auf als bei Einbeziehung der rechtsabbiegenden Kraftfahrzeuge in die Signalisierung. Wenn Radfahrstreifen zwischen dem Rechtsabbiegefahrstreifen und Geradeausfahrstreifen angelegt werden, können gefährliche Kreuzungen für geradeausfahrende Radfahrer kurzfristig sicherer werden.

An _großen Kreisverkehrsplätzen_ mit einem Außendurchmesser von mindestens 40 m und zweistreifiger Kreisfahrbahn kommt es häufiger zu Unfällen als bei anderen Knotenpunktsformen. Auf Kreisverkehrsplätzen werden Radfahrer sicherer auf der Fahrbahn geführt als auf Radfahrstreifen oder auf Radwegen. Große Kreisverkehrsplätze lassen sich nur mit einer Über- oder Unterführung der Radfahrer relativ sicher gestalten.

Forschungsbericht: "Sicherung von Radfahrern an städtischen Knotenpunkten" von Robert Schnüll, Johannes Lange, Ingo Fabian, Matthias Kölle und Fabian Schütte, Institut für Verkehrswirtschaft, Straßenwesen und Städtebau der Universität Hannover sowie Dankmar Alrutz, Hans W. Fechtel, Jörg Stellmacher-Hein, Thomas Brückner und Helga Meyhöfer, Planungsgemeinschaft Verkehr, Hannover. Bericht zum Forschungsvorhaben 8925 der Bundesanstalt für Straßenwesen Bd. 262, Bergisch Gladbach 1992. ISSN 0173-7066.

Anschriften: Institut für Verkehrswirtschaft, Straßenwesen und Städtebau, Universität Hannover, Prof. Dr.-Ing. R. Schnüll, Appelstr. 9a, Tel. 0511/762-2802, *** neue PLZ: 30167 ***; Planungsgemeinschaft Verkehr, Hannover, Dipl.-Ing. D. Alrutz, Große Barlinge 72a, W-3000 Hannover 1, *** neue PLZ: 30171 ***; Bundesanstalt für Straßenwesen (Projektbetreuung S. Metz-Dörner, W. Kockelke), Brüderstr. 53, W-5060 Bergisch Gladbach 1, Tel. 02204/43-0; Fax 02204/43-832, *** neue PLZ: 51427 ***


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