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ForschungsDienst Fahrrad


FDF 174 - 29.08.1992

KONRAD PFUNDT / DANKMAR ALRUTZ: RADVERKEHR. BEMERKUNGEN ZUM AKTUELLEN STAND

Experten empfehlen Radfahrstreifen und "kombinierte Fahrbahnen" Besser kein Radweg als ein schlechter

Wichtigstes Ergebnis: Die Verfasser der "Empfehlungen für Planung, Entwurf und Betrieb von Radverkehrsanlagen" von 1982 halten ihr Regelwerk in verschiedenen Punkten für überholt. So sollten unzulängliche Radwege aufgehoben werden; Radfahrstreifen dagegen "haben sich bewährt".

Zum Inhalt: Nach einem aktuellen Kommentar von Konrad Pfundt und Dankmar Alrutz sind die "Empfehlungen für. Planung, Entwurf und Betrieb von Radverkehrsanlagen" (ERA) von 1982 in vielen Punkten nicht mehr aktuell. Die beiden Mitverfasser des immer noch verbreiteten Regelwerks fordern in ihren *Bemerkungen zum aktuellen Stand* die Abschaffung von Radwegen: "Unzulängliche" Radverkehrsanlagen mit geringer Breite sollten nicht gebaut und belassen werden; stattdessen haben sich Radfahrstreifen, Radwege ohne Benutzungspflicht und für Radfahrer in beiden Richtungen freigegebene unechte Einbahnstraßen gut bewährt.

Die Bemerkungen finden sich einleitend in einem von der Schadensverhütungsstelle der Autoversicherer kostenlos verteilten Sammelband, der außerdem die ERA 82, "vorläufige Empfehlungen zur Freigabe linker Radwege" des HUK-Verbandes und das "Kölner Protokoll zum Radverkehr" mit Beiträgen verschiedener Fachleute enthält.

Statt Radfahrer auf 'unzulängliche' Radverkehrsanlagen, z.B. nur 1 m breite Bordsteinradwege oder schmale Radfahrstreifen neben engen Fahrstreifen (< 2,75 m) für den Kraftfahrzeugverkehr zu führen, sei es häufig besser, auf Radverkehrsanlagen zu verzichten und gegebenenfalls nach anderen Formen des Schutzes für Radfahrer zu suchen.

Wesentliche Vorteile gegenüber Radwegen haben Radfahrstreifen. Sie werden in aller Regel nicht in falscher Richtung befahren und der Radfahrer befindet sich ständig im Sichtfeld des Kraftfahrers. Markierte Radfahrstreifen werden von Pfundt und Alrutz bei Fahrbahnbreiten ab etwa 8 bis 9 m empfohlen, während "Fahrbahnseitenstreifen" ("Angebotsstreifen") als Möglichkeit bei geringeren Fahrbahnbreiten erwähnt werden.

Wo weder Radwege oder Radfahrstreifen in ausreichendem Sicherheits- und Qualitätsstandard geschaffen werden, kann die Benutzung der Gehwege durch Zeichen 241 StVO mit Zusatzschild erlaubt werden ohne damit gleichzeitig die Benutzungspflicht für Radfahrer zu verbinden. Die an Kreuzungen vorhandenen Gefährdungen von Radfahrerfurten lassen sich durch Teilaufpflasterungen/-Gehwegüberfahrten verringern.

Für signalgeregelte Stellen, insbesondere zum Linksabbiegen, bilden "aufgeblasene" Radwege oder Radfahrstreifen und Radfahrerschleusen mit Vorsignal positiv bewertete Lösungsmöglichkeiten.

Neuartige Lösungen für Straßen ohne starken Lkw- und Busanteil sind anstelle getrennter Linksabbiege- und Geradeausfahrbahnen auch "kombinierte Fahrbahnen" mit einer Breite von 4,50 m. An Bushaltestellen haben sich Lösungen bewährt, bei denen der Radweg im Bereich der Busbucht in einen Radfahrstreifen übergeht, der links neben der Busbucht verläuft. Und Sicherheit und Akzeptanz "unechter Einbahnstraßen" werden fast ausschließlich positiv beurteilt.

Sonderdruck: "Radverkehr. Sonderdruck der Empfehlungen Nr. 3 und 7a und der Mitteilung Nr. 30 der Beratungsstelle mit Bemerkungen zum aktuellen Stand". Mitteilungen der Beratungsstelle für Schadensverhütung Nr. 32, HUK-Verband, Köln 1991, ISSN 0724-3677.

Anschriften: Beratungsstelle für Schadensverhütung des Verbandes der Haftpflicht-, Unfall-, Auto- und Rechtsschutzversicherer e.V., Ebertplatz 2, 5000 Köln 1 (Dr. Konrad Pfundt / Bezugsquelle / kostenlos); Planungsgemeinschaft Verkehr PGV, Große Barlinge 72a, 3000 Hannover 1 (Dipl.-Ing. Dankmar Alrutz).


Der Forschungsdienst Fahrrad des ADFC berichtete bis 1999 14-tägig über Verkehrswissenschaft und Fahrradpolitik. Vielen Dank an die Herausgeber Tilman Bracher und Mattias Doffing und an Elmar Steinbach, der die FDFs ins Internet gebracht hat.

Seit Mitte 1999 ist der Forschungsdienst Fahrrad eingestellt. Er wurde durch den Bicycle Research Report ersetzt, der beim ECF (www.ecf.com) abonniert werden kann. werden kann. European Cyclists' Federation ECF - Rue de Londres 15 (b. 3) - B-1050 Brussels - Phone: +32-2-512 98 27 - Fax: +32-2-511 52 24, e-mail: office@ecf.com


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