ADFC FDF-Archiv

ForschungsDienst Fahrrad


FDF 170 - 04.07.1992

SONJA HÄCKER / WALTER KREMP: RUHENDER RADVERKEHR

NRW-Broschüre empfiehlt Richtzahlen für Fahrradabstellplätze

Wichtigstes Ergebnis: Vorhandene Abstellanlagen für Fahrräder sind häufig für ihren Zweck ungeeignet oder ungünstig erreichbar. Sowohl bei der Wohnung als auch bei Zielen werden benutzerfreundliche Fahrradabstellanlagen benötigt. Um dies zu erreichen, sollten Gemeinden ein *kommunales Abstellanlagenprogramm* planen.

Zum Inhalt: Geeignete Fahrradabstellanlagen sind notwendig, damit Fahrräder seltener gestohlen und beschädigt werden, größere Rädermengen auf Parkplätzen geordnet abgestellt werden und Fahrräder bei der Wohnung und an Zielen benutzerfreundlich geparkt werden können.

Nach einer vom ADFC Nordrhein-Westfalen im Auftrag des Ministeriums für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr bearbeiteten Broschüre genügen die meisten vorhandenen Fahrradabstellanlagen den Anforderungen dafür nicht. Vorderradhalter erweisen sich oft als "Felgenkiller", viele Anlagen erlauben kein Anschließen des Fahrrads an einen festen Gegenstand, und Abstellanlagen "von der Stange" sind stadtgestalterisch Fremdkörper.

Fahrradabstellanlagen müssen sich für unterschiedliche Zwecke (z.B. nach Parkdauer), Nutzer (Kinder, ältere Menschen) und Fahrradtypen (Klapprad bis Rennrad) eignen. Sie müssen zielnah, bequem erreichbar, gut erkennbar und standsicher sein und Schutz gegen Diebstahl und Witterung bieten.

Die beste Lösung für Wohnhäuser bieten ebenerdige Fahrradräume im Eingangsbereich. In Ein- und Mehrfamilienhäusern reichen meist abschließbare Räume, während in Hochhäusern dort zusätzlich der Fahrradrahmen anschließbar sein sollte. *Fahrradhäuser* im Straßenraum bieten z.B. in dichtbebauten Altbauvierteln geeignete Möglichkeiten für abschließbare Radstellplätze auf bestehenden PKW-Stellflächen.

An Zielen für *Kurzzeitparker* sind in der Regel Fahrradständer ausreichend, die die Standsicherheit des Fahrrads unterstützen und Anschließbarkeit am Vorderrad garantieren. Für *Langzeitparker* dagegen sind diebstahlsichere Abstellanlagen erforderlich.

Auch anspruchsvollere Fahrradständertypen mit Preisen bis zu 270 DM / Stellplatz weisen unterschiedliche Vor- und Nachteile auf. Teurer kommen bewachte Fahrradparkplätze, Fahrradstationen und Fahrradwachen an Bahnhöfen und abschließbare Fahrradboxen.

Gemeinden wird empfohlen, für ihren Bereich ein *kommunales Abstellanlagenprogramm* festzulegen, das Standorte, Bedarf, Größe, technische Ausstattung und einen Zeitplan enthält. Als Richtwerte für die Bedarfsermittlung sollen Gebäude mit Büro-, Verwaltungs- und Praxisräumen einen Stellplatz je 30 qm Nutzfläche (+ Stellplätze für Besucher) erhalten, und örtliche Versammlungs- und Gaststätten für je fünf Sitzplätze einen Fahrradabstellplatz.

Die Finanzierung von Abstellanlagen und Fahrradständern kann entweder aus öffentlichen Mitteln oder privat erfolgen. Bei privaten Anlagen können die Kosten für Fahrradabstellanlagen an Häusern und vermieteten Wohnungen steuerlich als notwendige Investitionen zur Erhaltung der Vermietbarkeit abgesetzt werden. Die öffentliche Förderung umfaßt Zuschüsse an Kommunen z.B. aus Landesprogrammen und nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz für Park & Ride-Anlagen. In Nordrhein-Westfalen können dabei 70 - 90% der Kosten durch das Land bezuschußt werden.

Broschüre: "Ruhender Radverkehr - Vom Fahrradständer zur Fahrradabstellanlage" von Sonja Häcker und Walter Kremp unter Mitarbeit von Klaus Hänel, Hrsg. vom Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung des Landes Nordrhein-Westfalen, Reihe Bausteine für die Planungspraxis in Nordrhein-Westfalen, 1. Auflage Dortmund 1990, ISBN 3-8176-9010-X.

Anschriften: ADFC Nordrhein-Westfalen, Birkenstraße 48, W-4000 Düsseldorf 1 (Bearbeitung), Ministerium für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen (MSWV), Breite Straße 31, W-4000 Düsseldorf 1, Tel. 0211/83704. Schutzgebühr DM 6,- (Vertrieb).


Der Forschungsdienst Fahrrad des ADFC berichtete bis 1999 14-tägig über Verkehrswissenschaft und Fahrradpolitik. Vielen Dank an die Herausgeber Tilman Bracher und Mattias Doffing und an Elmar Steinbach, der die FDFs ins Internet gebracht hat.

Seit Mitte 1999 ist der Forschungsdienst Fahrrad eingestellt. Er wurde durch den Bicycle Research Report ersetzt, der beim ECF (www.ecf.com) abonniert werden kann. werden kann. European Cyclists' Federation ECF - Rue de Londres 15 (b. 3) - B-1050 Brussels - Phone: +32-2-512 98 27 - Fax: +32-2-511 52 24, e-mail: office@ecf.com


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