ADFC FDF-Archiv

ForschungsDienst Fahrrad


FDF 162 - 14.03.1992

DIETER APEL: STADTVERTRAEGLICHER VERKEHR HANNOVER 2000

Szenario zeigt Umweltbelastung durch Fahrrad und öffentlichen Verkehr

Wichtigstes Ergebnis: Auch in Hannover liegen die Belastungen durch den zunehmenden PKW- Verkehr oberhalb der erträglichen Grenzen. Ein Szenario zeigt, daß der Fahrradverkehr um 40% und der öffentliche Personennahverkehr um 45% zunehmen würden, wenn die PKW-Nutzung um ein Drittel reduziert wird.

Zum Inhalt: Obwohl Hannover ein überdurchschnittlich gutes ÖPNV-System hat und die Fahrradnutzung stark zugenommen hat, haben auch in Hannover die Auswirkungen des Kfz-Verkehrs auf Umwelt und Wohn- und Aufenthaltsqualität ein bedrohliches bzw. schädliches Niveau erreicht.

So trägt der Kfz-Verkehr an Hauptstraßen bis zu 90% der CO-, Stickoxid- und CH-Belastungen bei. An vielbefahrenen Innenstadtstraßen werden die Grenzwerte der TA-Luft für Stickstoffdioxid-Konzentrationen überschritten. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung wohnt in Gegenden, wo der Lärm oberhalb der Immissions-grenzwerte liegt. Der Kfz-Verkehr führt zu Angst und Unsicherheit, sein Energie-verbrauch trägt zum Treibhauseffekt bei, und der Flächenbedarf macht den Pkw mit Abstand zu ungeeignetsten Maßenverkehrsmittel für die Stadt.

Das von Dieter Apel aufgestellte Verkehrsszenario zeigt, daß der Trend aufgehalten werden kann, der für Hannover bis zum Jahr 2010 sonst weitere 19% mehr Pkw-Verkehr erwarten läßt. Nach Erfahrungen aus Zürich, Stockholm und Amsterdam bestehen erhebliche Umverteilungsmöglichkeiten vom Auto zum nichtmotorisier-ten Verkehr und zum ÖPNV.

Wenn man nur noch den _notwendigen_ Pkw-Verkehr zuläßt, verbleiben vor allem Wirtschaftsverkehr und geringe Anteile des Einkaufs- und Berufsverkehrs. Weil mehr Straßenflächen für die anderen Verkehrsträger, zur Verbesserung des Wohnumfelds und der Straßengestalt genutzt und an Ampeln Vorrang für Straßenbahn, Bus, Fußgänger und Fahrradverkehr geschaltet werden müssen, werden zwar Verkehrsstockungen nicht stark zurückgehen, aber deutlich günstigere Reisezeiten bei Fahrradverkehr und ÖPNV insgesamt zu einer Zeitersparnis führen.

Der Fahrradverkehr wird dabei von 15% (1989) auf 21% wachsen, der Fußverkehr fast gleich bleiben (18 bzw. 17%), der Bahn- und Busanteil auf 32% steigen und der Pkw-Verkehr um ein Drittel abnehmen.

Gutachten: "Stadtverträglicher Verkehr Hannover 2000. Gutachten über die Entwicklung alternativer Verkehrszenarien im Auftrag der Stadt Hannover" von Dieter Apel, Beiträge zum Verkehrsentwicklungsplan 3, Hannover 1990.

Anschrift: Dr.-Ing. Dieter Apel, c/o Deutsches Institut für Urbanistik, Straße des 17. Juni 110, W-1000 Berlin 12, Tel. 030/39001-260.


Der Forschungsdienst Fahrrad des ADFC berichtete bis 1999 14-tägig über Verkehrswissenschaft und Fahrradpolitik. Vielen Dank an die Herausgeber Tilman Bracher und Mattias Doffing und an Elmar Steinbach, der die FDFs ins Internet gebracht hat.

Seit Mitte 1999 ist der Forschungsdienst Fahrrad eingestellt. Er wurde durch den Bicycle Research Report ersetzt, der beim ECF (www.ecf.com) abonniert werden kann. werden kann. European Cyclists' Federation ECF - Rue de Londres 15 (b. 3) - B-1050 Brussels - Phone: +32-2-512 98 27 - Fax: +32-2-511 52 24, e-mail: office@ecf.com


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