ADFC FDF-Archiv

ForschungsDienst Fahrrad


FDF 145 - 13.07.1991

HEINZ KLEWE / KARL-O. SCHALLABÖCK: RADWEGE AN STRASSEN

"Klassischer Radwegebau" gegen Unfälle unwirksam

Wichtigstes Ergebnis: Radwege alleine reduzieren die Unfallhäufigkeit nicht. "Klassische Radwege" zu Lasten von Gehwegflächen sind allerdings relativ leichter durchsetzbar als andere Maßnahmen. Wirksamer dagegen sind Geschwindigkeitsbeschränkungen für Kraftfahrzeuge und abmarkierte Fahrbahnflächen für Radfahrer.

Zum Inhalt: Im Auftrag des nordrhein-westfälischen Verkehrsministers hat das Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung ILS eine Dokumentation zur Forderung und Sicherheit des Radverkehrs erstellt. Danach reduzieren Radwege oder Radstreifen an sich die Unfallhäufigkeit nicht. Nur Radwege, die ausreichend breit, gut befahrbar und an Knoten-punkten und Grundstückszufahrten gut einsehbar sind, können die Sicherheit der Radfahrer auch objektiv erhöhen; solche Lösungen sind in der Praxis jedoch schwer realisierbar.

Im Vergleich zum "klassischen Radwegebau" ist die Abmarkierung von Straßenflächen für Radfahrer kostengünstig und mit relativ geringem Bauaufwand erstellbar. Beachtliche Vorzüge - auch hinsichtlich der Sicherheit - ergeben sich dort nach dem derzeitigen Forschungsstand bei ausreichender Dimensionierung, entsprechenden Sicherheitsabständen und notwendiger Markierung.

Allerdings sind Radstreifen oft nur schwer durchsetzbar. Ebenso wie unterirdische Straßenbahnen meist leichter durchzusetzen waren als oberirdisch abmarkierte Flächen für Bus oder Straßenbahn, so sind auch Radwege durch Verschmälerung des Gehwegs in der Regel leichter realisierbar als Radstreifen, die die vom übrigen Verkehr nutzbare Straßenfläche sichtbar verringern.

Die "Hereinnahme des Radverkehrs in den Straßenverkehr" unter Verzicht auf Radwege verlangsamt und beruhigt den motorisierten Verkehr. Dabei dürfen Radfahrer aber nicht als Ersatz für ordnungsrechtliche und bauliche Maßnahmen der Geschwindigkeitsreduzierung mißbraucht werden.

Monatsbericht: "Radwege an Straßen" von Dipl.-Ing. Heinz Klewe und Dr. Karl-Otto Schallaböck. In: Monatsbericht Januar 1991 des Instituts für Landes- und Stadtentwicklungsforschung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Bezug: Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung des Landes Nordrhein-Westfalen, Aufgabenbereich Verkehr, Königswall 38-40, Postfach 101764, 4600 Dortmund 1, Sekretariat Tel. 0231-1812-503 (kostenlos).


Der Forschungsdienst Fahrrad des ADFC berichtete bis 1999 14-tägig über Verkehrswissenschaft und Fahrradpolitik. Vielen Dank an die Herausgeber Tilman Bracher und Mattias Doffing und an Elmar Steinbach, der die FDFs ins Internet gebracht hat.

Seit Mitte 1999 ist der Forschungsdienst Fahrrad eingestellt. Er wurde durch den Bicycle Research Report ersetzt, der beim ECF (www.ecf.com) abonniert werden kann. werden kann. European Cyclists' Federation ECF - Rue de Londres 15 (b. 3) - B-1050 Brussels - Phone: +32-2-512 98 27 - Fax: +32-2-511 52 24, e-mail: office@ecf.com


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